Kurz bevor man mit der S-Bahn in den Hauptbahnhof einfährt, fliegt auf der rechten Seite ein großes, rotes Haus vorbei. Es fällt mir jedes Mal auf in der Reihe zwischen den hohen weißen und beigefarbenen Stadthäusern: Das rote Haus ist eigentlich kein richtiges Haus. Es ist eine alte Fabrik mit riesigen unterteilten Fenstern und schönen Verzierungen direkt unter dem Dach. Meine Oma erinnert sich noch, dass in den Fabrikhallen mal Filzkoffer hergestellt wurden.
Inzwischen stehen dort allerdings keine lärmenden Maschinen mehr. Das Gebäude wurde renoviert und jetzt sind auf mehreren Etagen schicke Wohnungen und ein Café untergebracht.
Einen Teil hat man bei den Renovierungsarbeiten aber übersehen: den Dachboden. Hier stehen noch lange Holzregale, in denen sich bunte Filzballen aneinanderreihen. Filzkoffer, in allen Größen und Farben, stapeln sich bis unter die Dachschrägen. Als die Fabrik aufgelöst wurde, wanderten diese Sachen wohl hierhin und dann wurden sie einfach vergessen.
Wie gut! Denn wenn man mal genauer hinschaut, da hinter den roten Ballen, sieht man eine richtige kleine Stadt! In diesem scheinbaren Durcheinander von Koffern, haben es sich kleine Wesen gemütlich gemacht: Die Morkis.
Wenn man im Computer nach „Morkis“ sucht, steht da, dass das kleine Hunde oder russische Städte sind. Aber der Computer weiß auch nicht alles. Die Morkis, die ich meine, bellen nicht. Sie sind ungefähr so groß, wie eine Pommes, oder ein Babykanninchen und wenn man sie sieht, muss man grinsen, weil sie einfach so lustig aussehen.
Aber wenn Du jetzt denkst, dass sind so kleine stumme Püppchen, die man sich in einer Reihe auf das gemachte Bett setzt und ihnen ab und zu die Haare kämmt, sag das besser nicht zu laut! Das hören die Morkis gar nicht gern!
Im Gegensatz zu Puppen und Teddybären, die tatsächlich den ganzen Tag rumsitzen und nix sagen, sind die Morkis nämlich lebendig. Sie machen Quatsch, klettern auf Bäume, essen zu viel Süßes und reden ziemlich viel.Und sie können träumen. Sie nennen es Wunschträumen. Wenn sie sich abends ganz genau vorstellen, was sie sich wünschen, dann ist es am nächsten Morgen da.
Ja, echt! Also halt aus Filz… Denn bei den Morkis ist alles aus Filz: Das Schwimmbad, der Bahnhof, alle Straßen, Bäume und die Spaghetti. Übrigens: Wegen dieser Sache mit dem Wunschträumen hat sogar der Weihnachtsmann schon mit den Morkis zusammengearbeitet!
Also gut, jetzt wisst ihr grob Bescheid, um was es geht.
Und das bin ich in meiner Morki-Werkstatt!
Hallo, ich bin Katrin und eigentlich von Beruf Sängerin. Ich schreibe eigene Lieder oder singe zum Beispiel Werbesongs - für Käse, Autos und Frühstücksflocken - ein.
Wenn ich unterwegs bin, um in glitzernden Kleidern Konzerte zu geben, vertreibe ich mir die Zeit mit Träumereien und Basteln.
Das lenkt mich zum einen von meinem Lampenfieber ab und ich habe etwas, was ich meinen Kindern mitbringen kann, wenn ich nach Hause komme…
Irgendwann stellte ich hauptsächlich Puppenstuben-Koffer aus Filz her, die ich auch acht Jahre lang in meinem Stand auf dem Kronberger Weihnachtsmarkt verkaufte habe.
Meine Suche nach dem richtigen Personal für diese selbstgenähten Räumlichkeiten hat mich schließlich zu den Morkis gebracht: Nach sehr vielen angefertigten Puppen und Mäusen, die mich nicht zufrieden stellten, waren diese kleinen Wesen, ohne Arme und Beine, genau richtig! Sie sind einfach zu nähen und dabei super niedlich und dürfen seit dem in meinen Filzkoffern wohnen!
Nachts, wenn meine jüngere Tochter nicht schlafen konnte, haben wir uns gemeinsam Geschichten mit den Morkis ausgedacht.
Und als ich dann für einen meiner Songs ein Musikvideo brauchte, waren die Morkis als Darsteller zur Stelle!
Ich liebe die Morkis und inzwischen merke ich bei der musikalischen Früherziehung im Kindergarten oder in der Klasse meine Tochter, dass sie auch andere lieben!
Die Morkis müssen in die Welt!